Hardware

IKEA Tradfri im Test – smarte Beleuchtung für alle?

Wenn man an IKEA denkt – so denkt man wohl primär an verhältnismäßig kostengünstige Wohnungseinrichtung und weniger an SmartHome Geräte. Aber der Möbelhaus Gigant ist nicht zu unterschätzen und hat scheinbar den Trend mit der smarten Beleuchtung erkannt und bringt eine eigene LED Leuchtmittel – Serie heraus, welche auf den Namen Tradfri hört und die sich nicht nur mit Wireless-Schaltern sondern auch über eine Bridge und der entsprechenden IKEA Tradfri App steuern lässt. Bislang waren die LED Lampen für mich persönlich nur bedingt interessant, denn wenn schon LED, dann bitte auch in bunt und in Farbe! Aber hier hat IKEA nun nachgelegt und seit ca. 2 Wochen gibt es die Tradfri Lampen auch in Multicolor! Damit ist nun der Zeitpunkt gekommen, sich die LED-Lampen etwas genauer anzusehen. Was dabei heraus gekommen ist, werde ich Euch nun in diesem Test erzählen.

Die Basics: 
Bei der Konkurrenz werden hier 2 Komponenten benötigt – bei IKEA sind 3 Komponenten der Pflichteinkauf ohne die der Betrieb nicht möglich ist. Daher möchte ich kurz auf die einzelnen Bestandteile eingehen.

Die Bridge oder das Gateway
Diese stellt über ein Netzwerkkabel die Verbindung zum heimischen WLAN her.

Fernbedienung (Alternativ Dimmer)
Diese wird benötigt um die Endgeräte (Lampen) in den Verbindungsmodus zu setzen.

LED-Lampen
Irgendwas muss ja leuchten!

Warum Amazon hier noch ein weiteres Vermittlungsgerät zum Einsatz bringt, ist mir persönlich etwas unklar. Aber vielleicht wollte man Fehler der Konkurrenz vermeiden, bei denen schon Angriffe von der Ferne aus möglich waren. Dies würde man über diese Technik unterbinden, da der Kopplungsmodus nur ausgelöst werden kann, wenn man sich mit der Fernbedienung in unmittelbarer Nähe zur Lampe befindet. Bei der Konkurrenz sind die Lampen im Raum einfach so zu erreichen, was natürlich einen Angriff über das Zigbee Protokoll vereinfachen würde. Wobei ich mir zum aktuellen Stand nicht ganz sicher bin, ob man hier nicht auch tricksen könnte. Wie auch immer! Dann entpacken wir mal das Tradfri System und ich zeige Euch, wie die Einrichtung funktioniert.

Was mir beim Auspacken noch aufgefallen ist. 
Die Verpackungen machen zwar auf den ersten Blick einen umweltfreundlichen Eindruck, doch schon kurz nach dem Öffnen wird klar – eine frustfreie Umverpackung ist das nicht!  Alles ist wahnsinnig toll in Plastik eingeschweißt und ich habe mich dabei echt gefragt – machen die das vielleicht bewusst so, dass die eine oder andere Lampe einfach hops geht, wenn man versucht diese auszupacken! Echt schlimm – kann ich da nur sagen! Beim anderen Zubehör – eine ähnliche Situation.

Die Einrichtung der IKEA Tradfri 
Das geht im Grunde relativ problemlos, wenn man das System verstanden hat.

Schritt 1: Tradfri App herunter laden
Diese App führt uns dann relativ gut durch den Einrichtungsprozess.

Schritt 2: Gateway mit dem Router und der Stromversorgung verbinden
Was ich am Gateway von IKEA mag, ist die Abdeckung über dem Gateway, denn darunter lässt sich wunderbar der Kabelüberschuss herum wickeln. D.h. man hat danach keine Überlängen an Kabel irgendwo herum hängen! Eine echt nette Idee!

Wenn die Bridge dann mit Strom versorgt ist, kann es auch schon los gehen. Die App fordert einem nun auf, den QR Code auf der Rückseite des Gateways zu scannen. Ist dieses erledigt, kommuniziert dieses Vermittlungsgerät schon mal mit unserer App.

Schritt 3: Fernbedienung (Dimmer) mit dem Gateway pairen / verbinden
Dafür öffnet man die Rückseite der Fernbedienung (leider nur mit Werkzeug / Löffelende / Schraubenzieher möglich) geht damit bis auf wenige Zentimeter zum Gateway und drückt so lange den großen Pair-Button auf der Rückseite, bis die Fernbedienung in der App angezeigt wird.

Jetzt haben wir das Gateway eingerichtet und die Fernbedienung damit verbunden.

Schritt 4: Lampen einrichten
Dafür geht man nun zu einer montierten Lampe, hält die Fernbedienung in unmittelbare Nähe und drückt erneut den Knopf für die Verbindung auf der Unterseite. Die Lampe beginnt dann leicht zu pulsen und kurze Zeit später sollte uns diese in der App angezeigt werden.

BINGO!
Dies war es dann auch schon! Ab jetzt könnt ihr die LED-Birne entweder über die App oder über die Fernbedienung ansteuern.

ABER – jetzt kommt es!
Die Funktion der farbigen LED-Birnen wird noch nicht unterstützt!!!!
Stand: 06.09.2017  – Tradfri App Version 1.0

Denn hier könnt ihr bislang nur die Lampe in der Helligkeit und in den verschiedenen Warmstufen regulieren!
Dies finde ich mal richtig böse! Denn da kauft man sich ein Farb-LED-System und dann kann man dieses über die App gar nicht bedienen! Da war der Hardwareentwickler wohl schneller als der Programmierer! Bleibt nur zu hoffen, dass die Jungs von IKEA hier möglichst schnell ein Update heraus bringen.

 

Die Steuerung der Farben und der Helligkeit über die Fernbedienung ist gegeben.

Wenn ihr die App schon geöffnet habt, könnt ihr in den Einstellungen jetzt noch schnell checken, ob die Hardware mit der aktuellen Firmware versorgt ist und ansonsten ein Update anstoßen.

Ansonsten funktioniert das System von der Reaktionfreudigkeit gut und schnell.

Einen direkten Lampentest, wird es in einem gesonderten Beitrag geben, bei dem ich die IKEA Lampen mit den Philips Hue System vergleichen werden. Denn diese sind ja derzeit wohl die Referenzklasse auf den Markt der SmartHome Beleuchtungssysteme.

Hier gehts zum Vergleich: IKEA Tradfri VS. Philips Hue Lampen

App-Test: 
Jedoch zur App möchte ich hier ein paar Worte verlieren.
Die App ist einfach gestrickt und bietet die wichtigsten Funktionen. Man kann Lampen gruppieren, die Helligkeit und Lichtfarbe hinterlegen und diese dann auch als Vorlage abspeichern. Zudem ist auch eine minimale Automatisation möglich bei der man z.B. Zeiten definieren kann, zu denen die Beleuchtung aktiv oder inaktiv wird. Dies war es aber dann auch schon! Widget erstellen, Abhängigkeiten erstellen oder ähnliche Funktionalitäten sucht man in dieser App vergebens.

Fazit vom Testbericht: 
Der Name ist Programm. Tradfri – „Drahtfrei“ trifft es wohl ganz gut! Denn im Grunde ist dieses Set eine solide Kombination aus moderner Technik, Hardware-Schaltern und herkömmlichen Funktionen wie „Ein“, „Aus“ und „Dimmen“. Tja, und wahrscheinlich spricht dies auch einige Kunden an. Ich persönlich würde hier jedoch sagen, der SmartHome Gedanke ist noch nicht wirklich gegeben. Denn die starre Zuweisung auf Schalter oder IR-Melder und feste Gruppen, verhindern eine gewisse Flexibilität. Auch die fehlende Anbindung an das Internet lässt einige Funktionen einfach außen vor. Dafür hat man natürlich eine Sicherheitslücke weniger und das System ist weniger anfällig gegen externe Angriffe. Ist ja auch klar – je mehr ich ein System beschränke desto weniger gefährdet ist dieses. Tja, und vielleicht ist genau dies auch der Grund, warum Tradfri eine gewisse Käuferschicht ansprechen wird.

Für wen ist Tradfri nun geeignet? 
Ich würde sagen, das System ist für Leute geeignet, welche ihr zu Hause etwas mit zusätzlichen Lampen und Farbstimmungen verschönern möchten und keinen Wert darauf legen, dass die Beleuchtung eine Eigendynamik entwickelt und sich voll automatisch an gewisse Gegebenheiten anpasst. Für Leute, die den Fernsehabend beginnen – ihre Lieblingsfarbe über die App der Tradfri Installation mitteilen, die normale Beleuchtung abschalten und den Abend genießen. Leute die ihre Beleuchtung programmieren wollen, bei denen die Hauptbeleuchtung automatisch beim Einschalten des Fernsehers ausgehen und die Stimmungsbeleuchtung angehen soll, der sollte dann wohl zum Marktführer greifen. Aber dem muss auch klar sein, man muss sich intensiv mit der Materie beschäftigen, sonst sind solche „Spielereien“ auch nicht möglich, bzw. ist es dann auch nur möglich, wenn alle Komponenten im Smarthome angebunden sind.


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4 thoughts on “IKEA Tradfri im Test – smarte Beleuchtung für alle?”

  1. Soweit ist alles klar. Das klingt aber, als wenn das Gateway keinerlei Bridgefunktion hat. Benötige ich also für jede Lampe eine Fernbedienung?. Sprich: 1 Gateway, 10 Lampen, 10 Fernbedienungen, oder kann eine FB mehrere Lampen schalten. Das wäre dann sehr aufwändig und ein klarer Nachteil ggü. dem Marktführer. Eigentlich sogar ein Designfehler. Gruß

  2. 10 Lampen kann man auf eine Fernbedienung binden. Wäre schon noch ok, denn ich denke – so schnell wird man nicht über die 10 Lampen pro Raum kommen. Wie viel jedoch ein Gateway an Endpunkten schafft – kann ich Dir leider nicht sagen. Eine Gruppe in der App darf auch maximal 10 Endgeräte beinhalten.

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