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Beitrag zu: Was ist die Nigeria Connetion

Würdest Du einer wildfremden Person Deine Bankdaten verraten, Kopien Deiner Personalpapiere überlassen und noch viele Hundert Euro überreichen? Sicher nicht. Scheinbar muss der Anreiz jedoch nur hoch genug sein, um erwachsene Personen dazu zu bewegen, sämtliche Sicherheitsbedenken zurückzustellen. Dazu gehören rührende Geschichten und die Aussicht darauf, mehrere Millionen ohne jeglichen Aufwand einzustreichen. Davon lebt die Nigeria Connection.

Worum geht es bei der Nigeria Connection?

Nigeria Connection ist ein Sammelbegriff für gleichartige Betrugsversuche. Immer geht es darum, dass mit zu Herzen gehenden Geschichten darum geworben wird, das eigene Bankkonto zur Verfügung zu stellen zwecks Geldtransfers. Schon im Vorfeld wird klargestellt, dass die Transaktion nicht wirklich im Rahmen der Gesetze abläuft, doch nie wird offengelegt, dass der Ansprechpartner das potenzielle Opfer ist. Im Gegenteil, er soll Nutznießer der Aktion werden und aus Dank für sein Entgegenkommen einen bedeutenden Anteil an der zu transferierenden Summe erhalten. Wenn es nur 10 % von 2,6 Millionen sind, wäre das schon ein beeindruckender Betrag dafür, dass man eigentlich nichts tun muss und dem bedauernswerten Absender der Nachricht zur Seite stehen kann. Zur Kontaktaufnahme kommt es per Fax oder E-Mail, in seltenen Fällen auch per Brief von bis dato völlig Unbekannten. Da auch der Gegner aufrüstet und dank vieler erfolgreicher Betrügereien technisch auf hohem Niveau ausgestattet ist, wurden in der jüngeren Vergangenheit mehr und mehr Fälle bekannt, die von Betrugsversuchen berichten, in Foren und Chats neue Opfer zu finden.

Welche Strukturen lassen sich in den Anschreiben wiederfinden?

In aller Regel stellt sich der Absender der Nachricht selbst als Opfer dar. Allerdings als ein bewundernswert vermögendes Opfer. Nicht selten ist der Absender alt, sterbenskrank, von Steuerbehörden oder neidischen Familienangehörigen argwöhnisch verfolgt und versucht sein Scherflein ins Trockene zu bringen. Nicht selten für einen guten Zweck. Manchen scheint wirklich alles Unheil des Daseins auf einmal zu treffen. In seiner Not, wenn schon nicht das Leben, so wenigstens das Geld zu retten, wendet er sich nun verzweifelt an vollkommen Unbekannte, gern in der westlichen Welt. Ihnen stellt er in Aussicht, an seinem märchenhaften Vermögen teilzuhaben, wenn man ihn das eigene Bankkonto nutzen lässt, um aus einem Land Geld von einem Konto auf ein anderes zu transferieren. Viel Geld. Millionenbeträge in harter Währung. Unter mehreren Millionen machen die Betrüger es nicht. Die Schreiben bemühen sich um einen ausgesprochen höflichen Ton, allerdings ist die Sprachkompetenz nicht recht überzeugend. Meist sind die Texte auf Englisch verfasst und benutzen ausschließlich Großbuchstaben.

Der gerührte Adressat wird zur Kasse gebeten

Ist ein Opfer bereit zu helfen, werden zumindest die persönlichen Daten und Unterlagen angefordert, gern auch Gebühren für Rechtsanwälte oder zu anderem Zweck. Dazu finden sich im Anhang der E-Mail vorgefertigte Formulare. Die Betrüger arbeiten mit bewundernswerter Sorgfalt. Schon allein die Auskunft über das eigene Bankkonto kann dazu führen, dass sich beim nächsten Besuch am Bankautomat herausstellt, dass dort nichts mehr zu holen ist. Das haben bereits andere besorgt. In der Variante mit der Gebühr wird das Opfer veranlasst, die Summe X auf ein Konto irgendwo im Nirgendwo zu überweisen, dann ginge der Geldtransfer vonstatten. Von dem transferierten Millionenbetrag solle der Empfänger – das Opfer – den besprochenen Betrag auf ein weiteres Konto überweisen und für seine Mühen eine beeindruckende Summe zurückbehalten. Wenig Aufwand für viel Gewinn. Leider steht im Vorfeld die eigene Geldausgabe. So dumm kann doch keiner sein? Doch. Bereits mehrere Personen sind den Betrügern auf den Leim gegangen, wie sich in der Presse nach verfolgen lässt. Hier ein besonders böses Beispiel: 350000 Euro überwiesen

Warum Nigeria Connection?

Die Täter, soweit sie dingfest gemacht werden konnten, stammen in der Regel aus diesem afrikanischen Land. Das soll allerdings den Staat Nigeria nicht abwerten. Auch dort ist der Vorschussbetrug, um den es sich bei der Masche mit dem Mitleid und dem Geldversprechen handelt, nicht weniger strafbar als in allen anderen Ländern. In Nigeria werden Straftaten wie diese verfolgt nach dem § 419 des nigerianischen Strafgesetzes. Daher auch der Beiname 419er (four-one-niner).

Wie neu ist die Masche?

Versuche von Vorschussbetrug sind seit dem 16. Jahrhundert unter verschiedenen, immer wieder wechselnden Namen bekannt. Bereits zu Zeiten der Briefpost waren Betrugsversuche dieser Art nichts Neues. Seinen Anfang nahm die Geschichte schon im 16. Jahrhundert, beziehungsweise sind Belege für Bemühungen dieser Art bekannt. Damals war es der Brief des spanischen Gefangenen, der um Zuwendung bat. Ebenso erfolgreich übrigens. Im Zuge der Modernisierung des Postverkehr haben auch die Betrüger aufgerüstet. Etwa ab den 80er Jahren des vergangenen Jahrhunderts kam die Briefflut mittels Fax ins Haus, heute sind es E-Mails. Neueste Masche: Die Betrüger verschaffen sich Zugang zu Foren und Instant-Messengern und suchen und finden ihre Opfer dort.

Alt, krank, reich – gibt es andere Geschichten?

Die Betrüger haben wenigstens so viel Fantasie wie kriminelle Energie. Varianten derselben Masche sind bekannt als Love Scam (scam; englisch für Betrug). Hier verschaffen sich die Betrüger über Single-Börsen den Kontakt zu möglichen Opfern und suggerieren, sie hätten sich verliebt. Natürlich verursacht auch das Kosten für den oder die Auserkorene. Doch wer schaut bei der Liebe schon aufs Geld?

Auch aus dem Bereich des Gebrauchtwagenhandels existieren Betrugsversuche nach dem bereits bekannten Muster. Hier informiert ein potenzieller Käufer den Verkäufer des Gebrauchtwagens darüber, dass er den Kauf tätigen will. Leider kann er nicht mit Bargeld bezahlen, er schickt oder übergibt einen Scheck. Dieser ist nicht selten auf einen höheren Betrag ausgestellt als die ursprünglich ausgemachte Summe. Die Übergabe des Wagens erfolgt, weil die Bank tatsächlich Geld auszahlt gegen diesen Scheck – und es wenige Tage später zurückfordert, weil er ungedeckt war. Bis dahin hat der Wagen jedoch sicher schon die Grenzen des Landes passiert.

Auch Wohnungssuchende sehen sich Betrügern mit vergleichbarer Masche gegenüber: Ihnen werden hervorragend ausgestattete Appartements in bester Wohnlage bei günstiger Miete offeriert. Gegen eine kleine Gebühr in Vorleistung …

Was unternehmen die Behörden gegen Machenschaften, wie diese?

Die Behörden unternehmen alles, was sie können. Gelingt es, einen der Betrüger zu überführen, trifft ihn die volle Härte des Gesetzes. Leider nicht oft genug. Erschwert werden die Ermittlungen dadurch, dass sich die Kriminellen im Ausland befinden und somit von den heimischen Behörden nicht verfolgt werden können. Gleichfalls melden sich nicht alle Opfer. Es ist ihnen in nachvollziehbarer Weise peinlich, sich derart hinters Licht geführt zu wissen. Im Nachhinein kommt es ihnen selbst leichtgläubig vor. Bedauerlich, dass es dann bereits zu spät ist.

Zu einer neuen Art der Unterhaltung im Internet hat sich aber das sogenannte Scam baiting entwickelt. Hier geht es darum, den Betrüger (Scam) zu ködern (baiting) und ihn dazu zu bewegen, sich in kompromittierender Weise selbst darzustellen oder ihn gar zu einem persönlichen Treffen zu veranlassen. Die Idee dahinter: In der Zeit, in der der Betrüger mit dem Scam baiter beschäftigt ist, kann er nicht gleichzeitig andere Menschen um Hab und Gut bringen.

Ein paar nette Bilder vom Scambaiting und der Selbstdarstellung der Jungs auf der anderen Seite:

Dazu werden als Echtheitsbeweis des Gegenübers oft Bilder verlangt mit lustigen Posen oder Texten in welchen sich die 419s sich selbst verarschen, ohne dass diese es selbst bemerken! Da sie entweder diverse Redewendungen oder die Sprache auf den Schildern nicht beherrschen!

Alls Bilder stammen von 419eaters – dort könnt ihr noch viele andere Bilder und die Storys zu den Bildern finden!


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